Konzert zum Erntedanktag in der Schloßkirche zu Meisenheim

„Bach – Beatles – Bernstein“…

…so lautete das Motto des Konzerts am Erntedanktag, das der Chor „Capriccio“ und das Vokalensemble „Vocalisa“ am 7. Oktober 2018 in der Schloßkirche zu Meisenheim gab. Den Chor begleitete Sun-Young Kang-Mäder am Piano und am Orgel-Positiv. Die Gesamt­leitung hatte die Gesangspädagogin, Sopranistin und Chordirektorin (FDB) Birgit Ensminger-Busse, die zusätzlich einige Solo-Parts übernahm.

Ein fein gesponnener „roter Faden“ führte die 220 Gäste durch das Programm: Der Gedanke an die Schöpfung, der von Freude und Dank an den Schöpfer begleitet ist, wurde im Festgesang aus der Huldigungskantate für August den Starken „Freut auch alle, singt mit Schalle“ von J.S. Bach deutlich. Der 14-jährige Tom Roland aus Rehborn, Orgelschüler und Chorsänger, ließ anschließend mit dem Präludium in G-Dur des barocken Meisters die Stumm-Orgel jubeln. 

Zum Nachdenken über den Mißbrauch, den wir Menschen mit Gottes Schöpfung treiben, regten zwei Lieder von Udo Jürgens „Ich glaube“ und „Ihr von morgen“ an. „In jedem Jahr geschieht das Wunder“ von Klaus Heizmann, dem großen zeitgenössischen Komponisten christlicher Musik, ergänzte diese Gedanken kongenial.

Ohne Liebe wäre alles nichts – diese Überleitung führte von Bach zu den Beatles, die vor 50 Jahren auf dem Höhepunkt ihres Schaffens waren. „All you need is love“ heißt das Postulat der „Fab Four“ – “it’s easy” ist das Fazit: Alles geht leicht, wenn Liebe im Spiel ist. Daß Liebe auch Schmerz verursachen kann, zeigte der Chor mit „Yesterday“…

Passend dazu „Pièce V“ von César Franck, ein bitter-süßes Duett von Querflöte (Silke Schnepp-Mohr“ und Orgel-Positiv (Sun-Young Kang-Mäder).

Der dritte Musiker im Konzert-Titel, Leonard Bernstein, hätte in diesem Jahr seinen 100sten Geburtstag feiern können. Birgit Ensminger-Busse ließ den Jubilar mit „Somewhere - There’s a place for us” aus “Westside Story” hochleben.

Was Liebe noch so alles vermag, besangen die Damen des Frauen-Vokalensembles mit „You raise me up“ ganz reizend. Ebenso reizend kann auch der Herbst sein, schaut man sich die positiven Seiten der doch kälteren Jahreszeit an: Die Sterne scheinen näher und die Nächte strahlender zu sein – Gedanken, die der zeitgenössische Komponist Wolfram Buchenberg in seiner Chor-Miniatur „Autumn comes“ zauberhaft umgesetzt hat.

Von der Liebe zur Musik ist es nur wenige Gedanken weit. „Viva la musica“, vorgetragen von „Vocalisa“ und „Exsultate cantamos festivo“, das der Chor Capriccio mit vollem Einsatz aller Kräfte interpretierte, führten dem Publikum die Freude an der Musik vor Augen bzw. in den Gehörgang. Musik vermag jedoch auch zwischen Menschen zu vermitteln, wo die Sprache versagt: „Music speaks“ von M. Adler und Brad Green bringt dies zum Ausdruck. Der Applaus für den Chor ließ darauf schließen, daß das Publikum ebenfalls „verstanden“ hatte…

Freude, Schöpfung, Liebe, Musik – was fehlt noch? Richtig: Friede! Ein wunderschönes „Vater unser“, vorgetragen von der Sopranistin Birgit Ensminger-Busse, leitete zu diesem letzten Leitmotiv über. Mit „Dona nobis pacem“ der zeitgenössischen Komponistin Mary Lynn Lightfoot zeigte der Chor, daß er blitzartig von „Ekstase“ auf „Schmelz“ umzuschalten vermag und zeigte, dass die aus einem ehemaligen Projektchor entstandene Formation eine klangliche Gemeinschaft auf hohem Niveau bildet. Der nicht enden wollende Schlußapplaus des Publikums in der Schloßkirche, übrigens ein akustisches Juwel, belohnte alle Interpreten.