Konzertreise nach Berlin

Ex oriente lux

In aller Herrgottsfrühe des 23. Oktober 2014 startete der Bus mit 47 Sängerinnen und Sängern und einer Schar „Groupies“ gen Osten – dem Sonnenaufgang und Berlin entgegen. Die Fahrt verlief ungewöhnlich ruhig: War es das Lampenfieber, das die Choristen des Chors „Capriccio“ zur inneren Einkehr bewegte? In Berlin wartete nämlich ein gemeinsames Konzert mit dem Konzertchor Friedenau, Joseph Haydns „Jahreszeiten“, die Generalprobe und das erstmalige Kennenlernen des noch fremden Chores auf sie.

Der Goldene Saal

Nach der Ankunft im Hotel gibt es keine Verschnaufpause: Ein Empfang im Rathaus Schöneberg steht an! Wird doch das bevorstehende Konzert als Jubiläumskonzert zum 50. Jahrestag der Partnerschaft  des Bezirks Schöneberg/Tempelhof in die Annalen eingehen. Was den Choristen und dem Leitungsteam des Konzertchors Friedenau eine festliche Begegnung im Goldenen Saal des Schöneberger Rathauses beschert, bei dem Berliner Wein kredenzt wird. Ja, es gibt einen Weinberg in Berlin, der von Winzern der Nahe gepflegt wird und von einem Meddersheimer Kellermeister ausgebaut wird! Die nächste Überraschung: Kreis-Chorleiterin und „Mutter Courage“ des Chors „Capriccio“ erhält aus der Hand von Bezirksverordnetenversammlungsvorsteherin Petra Dittmeyer die Medaille des Bezirks Schöneberg/Tempelhof!

Gemeinsame Chorprobe

Wie werden sie sein – die Berliner Kolleginnen und Kollegen? Haben sie den gleichen Übungsstand? Das fragten sich viele Kreuznacher, als nach einer interessanten, kurzweiligen und lehrreichen Stadtführung am Abend des 24. Oktober die letzte - und erste gemeinsame - Chorprobe bevorstand. Die Berliner hatten akribisch eine Konzertaufstellung vorbereitet, die von den Kreuznachern penibel und sklavisch umgesetzt wurde. Das ersparte wertvolle Probenzeit. Am Ende der konzentrierten Probe waren sich alle Choristen einig: Beide Chöre „passen“ zusammen und harmonieren – nicht nur in musikalischer Hinsicht! Zur weiteren Beförderung der Harmonie hatten die Kreuznacher eine „Beziehungskiste“ mitgebracht, die heimische und zum Teil selbstgemachte Spezialitäten enthielt und als Bereicherung und Mittelpunkt eines Chorfrühstücks des Friedenauer Chors herhalten soll.

Die Probe aller Proben

Samstagvormittag, 25. Oktober 2014: Wer darf durch diese Pforte gehen? Der Künstlereingang des Konzertsaals der Universität der Künste wird geöffnet. Blitzblankes Linoleum in den Gängen verbreitet einen angenehmen und altbekannten Geruch, der an die längst vergangene Schulzeit erinnert. Bei manchen wird dieser Geruch das flaue Gefühl im Magen verstärkt haben: Wird der Chor sich schnell an das Orchester gewöhnen? Werde ich meine Einsatztöne finden? Der nüchterne, aber akustisch hervorragende Konzertsaal und die gemeinsame Arbeit am Werk lässt solche Gedanken schnell verfliegen. Am Ende des Tages und nach vielen Patzern, die bei jeder anständigen Generalprobe nicht fehlen dürfen, sind sich die Sängerinnen und Sänger einig: Es könnte klappen. Es muß klappen!

Das Konzert  oder: Der Lohn des Fleißes

Schlußapplaus, Blümchen, Verbeugungen, Küßchen. Geschafft! Natürlich weiß jeder Sänger einige Einsätze zu benennen, die präziser hätten ausgeführt werden können und kennt Phrasen, die besser zu betonen gewesen wären. Aber das überwältigende Gefühl überwiegt, diesem sehr anspruchsvollen Werk – einem Laienchor gemäß - gewachsen gewesen zu sein. Nicht zuletzt zeigte das Publikum mit Szenenapplaus nach „Juchhe, der Wein ist da“, daß der Chor sein Bestes gegeben hatte.  Was nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken ist, das ein beträchtlicher Teil des Chores aus einer Weingegend stammt. Damit wird dieses Konzert in die Reihe „Unvergessliche Momente“ aufgenommen – eine wesentliche Intention, die zur Gründung des Chores „Capriccio“ als Abteilung des Kreis-Chorverbands Bad Kreuznach führte.

Der Chor auf der Rathaustreppe Schöneberg